Was ist der Sinn MEINES Lebens?
Alle fragen nach dem Sinn des Lebens!
Als ich noch jung war und gerade mein Studium aufnahm, wurde ich zum ersten Mal bewusst mit dieser Frage konfrontiert.
Philosophen hatten sich auch mit dieser Frage auseinandergesetzt.
In Zeiten der Reflexionen und in Konflikten, stellte ich mir auch diese Frage.
Leider erhielt ich damals noch keine Antwort. Vielleicht war ich auch mit 20 Jahren zu jung!
Mein Vater, Jahrgang 1935, sah den Sinn des Lebens für eine Frau darin, zu heiraten und eine eigene Familie zu gründen. Er war in einer anderen Generation aufgewachsen. Karriere und Familie konnten nicht unter einen Hut gebracht werden – so seine Vorstellungen. Nach seinen Ansichten passten Frauen und Technik auch nicht zueinander.
So war mein Vater dagegen, dass ich eine Fotokamera geschenkt bekommen sollte - dafür aber mein Bruder.
Es wäre doch besser, wenn ich als Mädchen Geld für Kleidung erhalten würde.
Dahingegen war meine Mutter schon fortschrittlich. Meine Mutter hielt ihre beiden Kinder, mich und meinen jüngeren Bruder, bei der Hausarbeit und bei Geschenken immer gleich.
Bei der Frage der Fotokamera, wie ich bereits zuvor berichtete, konnte sie sich durchsetzen. Mein Bruder und ich erhielten jeweils eine Fotokamera Anfang der 80er Jahre. Ob Junge oder Mädchen – alle mussten gleichbehandelt werden.
Sie war der Ansicht, dass eine Frau, genauso wie ein Mann, eine gute Schul- und Berufsbildung erhalten sollte. Da sie selbst immer finanziell vom Ehemann abhängig war, war sie stolz, dass ich mein Studium beendete und mein eigenes Geld verdiente.
Ihr Motto: als Frau sollte man immer finanziell unabhängig sein – auch vom Ehemann.
Das Thema Familiengründung kam auch bei einer Geburtstagsfeier auf, als eine ehem. Klassenkameradin im 2. Semester ihres Studiums mitteilte, dass sie schwanger sei.
Ich stellte mich sodann in ihrer Situation vor. Nein, das wäre nichts für mich.
Für mich stand fest, dass ich weiter studieren und dann erst eine Familie gründen wollte.
Die Jahre vergingen; erst Studium und dann ging es in den Beruf.
Während dieser Jahre wurde ich immer von den unterschiedlichsten Personen gefragt, ob ich nicht endlich einen Freund hätte. Ich müsste doch langsam mal an Heirat und Familie denken. Jedoch zeigte ich hierfür kein Interesse. Ich gehörte auch nicht in das sog. Beuteschema von den jungen Herren. Zwar war mir bewusst, dass die biologische Uhr tickte, aber das machte mir nichts aus. Auf den Klassentreffen fühlte ich mich fehl am Platz, da die anderen ehem. Schulkameradinnen über ihre Kinder und Pampas redeten. Zu dem Zeitpunkt hatte ich wie heute auch, andere Ziele und Themenschwerpunkte.
Jetzt im Alter hat sich doch vieles geändert. Wir sind toleranter und freigeistiger geworden.
Aus diesem Kreis der Klassenkameradinnen war ich die Letzte, die heiratete, aber auch die Erste, die schon verwitwet war.
Meine Großmutter mütterlicherseits meinte, auch wenn man einen Freund hätte, müsste man nicht heiraten. Sie war trotz ihres hohen Alters doch recht progressiv eingestellt.
Jahrelang hatte ich keinen Freund. Erst durch den Tod meiner Mutter kam ich meinem geschiedenen, 12 Jahre älteren Nachbarn näher.
Da er schon einmal verheiratet war und bereits Kinder hatte, entschieden wir uns gegen gemeinsame Kinder. Wir heirateten, aber nach einigen glücklichen Jahren verstarb er plötzlich.
Inzwischen bin ich über 60 Jahre alt, seit 17 Jahren verwitwet, habe keine Kinder und bin Rentnerin.
Wofür lebe ich? Was ist der Sinn meines Lebens? Was habe ich geschafft?
Rückblickend muss ich sagen, dass ich trotz einiger Einschläge ein schönes Leben habe bzw. gehabt habe.
Manche sagen bestimmt, ach, die Arme, sie hat es zu nichts gebracht. Sie steht jetzt ohne Familienangehörigen aus der Herkunftsfamilie da. Sie hat auch keine eigene Familie. Zudem ist sie nun auch Rentnerin!
Das stimmt, aber mein Sinn des Lebens ist ein anderer.
Ich habe nur diesen normalen Vorstellungen der Gesellschaft (in der Abfolge: Beruf, Heirat, Hausbau, Kinder, Hund) nicht entsprochen. Was ist eigentlich normal?
Während meiner Berufstätigkeit habe ich unendlich vielen Menschen tagtäglich bei Problemen und Fragen unterstützt.
Zudem war/bin ich mit meinem bisherigen Leben zufrieden.
- Ich werde weiterhin ein zufriedenes Leben mit vielen Interessen führen.
- Freundschaften werden geknüpft und auch gepflegt.
- Mein Leben wird nicht langweilig werden, da ich noch wissbegierig bin. Ich will noch andere Kulturen kennenlernen – gemeinsam mit meinem 4beinigen Freund.
- Von Sachen und Personen, die mir nicht guttun, trenne ich mich.
Im Hier und Jetzt genieße ich mein Leben.
Das ist der Sinn MEINES Lebens!